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OPPOSITIONELLE GEDICHTE

Vom „Gebt mir ein Feindbild!“
zum „Wir haben gemeinsame Feinde!“
... aus dafür bislang unerschlossenen Gebieten


        „... Egal, was es ist, ich bin dagegen!
            Sogar wenn Sie es geändert
           oder gestrafft haben, ich bin dagegen!
          Ich bin in Opposition dazu.
         Aus Prinzip bin ich in Opposition dazu. ...“

        (aus: „I´m against it“ von Groucho Marx)

                     [engl.: „... Whatever it is, I´m against it!
                         And even when you´ve changed it
                         or condensed it, I´m against it.
                         I´m opposed to it.
                         On general principles I´m opposed to it. ...“]
               
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Ein Vorwort:
Warum von schon ca. 2 x 100 fertiggestellten „Oppositionellen Gedichten“ ausgerechnet das nachfolgende zuerst?
Weil es das inhaltlich originellste ist? Nein, gewiss nicht.
Weil es das sprachlich gelungenste ist? Nein, gewiss nicht.
Sondern weil es von so gut wie täglicher Relevanz ist; kein anderes meiner „Oppositionellen Gedichte“ kommt mir selbst aus jeweils aktuellen Anlässen so oft in den Sinn wie dieses.
Bspw. „Ich bin gegen den Saturn“ in der Anfängerversion, „Wir sind gegen den Saturn“ in der Fortgeschrittenenversion gefällt mir selbst viel besser als das nachfolgend präsentierte Werk - aber wer außer einigen Astronomen schaut schon täglich oder fast täglich zum Saturn?
Dito „Ich bin gegen den Frühling“ / „Wir sind gegen den Frühling“, „Ich bin gegen den Sommer“ / „Wir sind gegen den Sommer“ usw. - wenn nicht gerade Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist, werden die entsprechenden „Oppositionellen Gedichte“ nicht wirklich zum Opponieren anregen. Und z. B. die Zahl Pi oder das chemische Element Wolfram sind auch nur Leichtgewichte im Vergleich zur Schwerkraft. Daher also nachfolgend zuerst „Ich bin gegen die Schwerkraft“ und „Wir sind gegen die Schwerkraft“.

          Oktober 2010:
Zwei mal zwei weitere oppositionelle Gedichte (= zwei Gedichte in beiden Varianten, der für oppositionelle Anfänger und Anfängerinnen und der für oppositionell Fortgeschrittene und Fortgeschritteninnen [ich bin bekanntlich Feminist des Herzens, siehe u. a. mein Gedicht „Ach wäret ihr doch zu Hause am Kochtopf geblieben / Ihr Frauen des Bürgertums“, daher solche Wortinnovationen]) sind ab sofort hier zu lesen: „Ich bin gegen Sonnenflecke“ / „Wir sind gegen Sonnenflecke“ sowie oben erwähntes „Ich bin gegen den Saturn“ / „Wir sind gegen den Saturn“ - unter den bisher geschriebenen „Oppositionellen Gedichten“ mein eigenes Lieblingsgedicht.
Wer mit diesem Gedicht nicht dazu anregt wird, endlich zu opponieren zu beginnen und sich auf die Suche nach Menschen zu begeben, mit denen er / sie eine Gruppe mit diesem gemeinsamen Feind bilden kann, der / die wird wahrscheinlich mit keinem meiner „Oppositionellen Gedichte“ dazu angeregt werden.

Eine Liste mit sämtlichen bis jetzt von mir fertiggestellten „Oppositionellen Gedichten“ ist ab sofort zu lesen auf meiner Website www.spitting-bull.biz
          ojs

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Ich bin gegen die Schwerkraft

Ich bin gegen die Schwerkraft
Sie zieht einen immer nur runter
Niemals hoch, das ist so als würde
Man immer nur müde, und niemals munter

Nun kann man zwar sagen, das Ganze beruht
Auf Gegenseitigkeit
Weil man die Erde gleichfalls anzieht
Ein kleines Stückchen weit

Doch wäre was dran an dem Argument
Dann müsste auch die Erde zerdeppern
Wenn irgendwo auf der Welt
Tassen und Teller scheppern

Dann müsste es auch die Erde zermatschen
Wenn sich ein Mensch übern Fenstersims schwingt
Und aus dem obersten Hochhausstockwerk
Auf die Erde springt


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Wir sind gegen die Schwerkraft

Wir sind gegen die Schwerkraft
Sie zieht uns immer nur runter
Niemals hoch, das ist so als würden
Wir immer nur müde, und niemals munter

Nun kann man zwar sagen, das Ganze beruht
Auf Gegenseitigkeit
Weil wir die Erde gleichfalls anziehn
Ein kleines Stückchen weit

Doch wäre was dran an dem Argument
Dann müsste auch die Erde zerdeppern
Wenn irgendwo auf der Welt
Tassen und Teller scheppern

Dann müsste es auch die Erde zermatschen
Wenn wir uns übern Fenstersims schwingen
Und aus dem obersten Hochhausstockwerk
Auf die Erde springen


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Ich bin gegen den Saturn

Ich bin gegen den Saturn
Er trägt so einen blöden Ring
Kein andrer Planet ist derart eitel
Dass er mit solch einem Ding sich behing

Fehlt nur noch, dass er mit Klunkern protzt
Und sich bemalt mit Tusche und Schminke
Wenn´s so weit kommt, dann sage ich
Zu allen Sternrohren: „Winke-winke

Nie wieder schau ich in euch hinein
Teleskope, ihr seid mir ein Graus
Sternrohrgefilmtes und -fotografiertes
Schmeiß ich raus aus dem Haus

Denn dämliches Statusgehabe
Groteskes Geprotze und Eitelkeit
Kann ich auch auf der Erde sehen
Überall und jederzeit“


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Wir sind gegen den Saturn

Wir sind gegen den Saturn
Er trägt so einen blöden Ring
Kein andrer Planet ist derart eitel
Dass er mit solch einem Ding sich behing

Fehlt nur noch, dass er mit Klunkern protzt
Und sich bemalt mit Tusche und Schminke
Wenn´s so weit kommt, dann sagen wir
Zu allen Sternrohren: „Winke-winke

Nie wieder schaun wir in euch hinein
Teleskope, ihr seid uns ein Graus
Sternrohrgefilmtes und -fotografiertes
Schmeißen wir raus aus dem Haus

Denn dämliches Statusgehabe
Groteskes Geprotze und Eitelkeit
Können wir auch auf der Erde sehen
Überall und jederzeit“


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Ich bin gegen Sonnenflecke

Ich bin gegen Sonnenflecke
Weil sie die Sonne beschmutzen
Und dadurch beim zur-Sonne-schauen
Ständig Gedanken wecken ans Putzen

An Scheuersand, Topfkratzer, Fleckenentferner
An Reinigungsschwamm und Fensterputzmittel
An Feudel, Bürste, Besen und Schrubber
An Haushaltsschürze und Küchenkittel

Das aber kann doch wahrlich nicht
Der Sinn der Sonne sein
Denn wenn es so wäre, wär es ja besser
Es gäb weder Sonne noch Sonnenschein

Schließlich werden Flecke erst
Richtig sichtbar im Sonnenlicht
Wenn es hingegen dunkel ist
Sieht man Flecke eher nicht


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Wir sind gegen Sonnenflecke

Wir sind gegen Sonnenflecke
Weil sie die Sonne beschmutzen
Und dadurch beim zur-Sonne-schauen
Ständig Gedanken wecken ans Putzen

An Scheuersand, Topfkratzer, Fleckenentferner
An Reinigungsschwamm und Fensterputzmittel
An Feudel, Bürste, Besen und Schrubber
An Haushaltsschürze und Küchenkittel

Das aber kann doch wahrlich nicht
Der Sinn der Sonne sein
Denn wenn es so wäre, wär es ja besser
Es gäb weder Sonne noch Sonnenschein

Schließlich werden Flecke erst
Richtig sichtbar im Sonnenlicht
Wenn es hingegen dunkel ist
Sieht man Flecke eher nicht

       
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Das Schönste, was von einem feindbildenden Künstler über sein Werk und dessen Rezeption gesagt und geschrieben werden kann:
Er hat Vorschläge für neue Feindbilder und Feindinnenbilder gemacht - wir haben sie angenommen! Und kämpfen jetzt entschlossen und vor allem gemeinsam gegen unsere gemeinsamen Feinde und Feindinnen!


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